Anpflanzung & Bewirtschaftung

Anbau, Bewirtschaftung, Agrarprämien und Rechtliches

Der Anbau von Pappeln & Weiden im Geflügelauslauf gestaltet sich ähnlich wie die Bewirtschaftung von Kurzumtriebsplantagen bzw. schnellwachsenden Bäumen mit längeren Rotationszyklen auf Ackerflächen. Dennoch sind einige Besonderheiten zu beachten:

Einen Überblick zur Entwicklung eines „Hühnerwaldes“ in den ersten 6 Monaten bietet das folgende Video:

Im nächsten Video ist die Entwicklung des „Hühnerwalds“ auf dem Bauckhof Klein Süstedt im 2. Jahr dokumentiert:

Pflanzlayout & Erntezyklen

Die Erntezeit richtet sich nach Art des gewünschten Aufwuchses sowie der späteren Verwendung des Holzes. Weiden sind eher für kürzere Erntezyklen und die Schaffung von hecken-ähnlichen Strukturen im Auslauf geeignet. Die Ernte nach 3 bis 5 Jahren kann so mit Feldhäckslern mit Holzgebiss erfolgen. Im Frühjahr nach der Ernte treiben die Bäume erneut aus. Dies entspricht dem Agrarholzanbau als Kurzumtriebsplantage, mit einer Pflanzdichten von rund 10.000 Bäume pro Hektar. Allerdings ist diese Anbauvariante aufgrund der hohen Anfahrtskosten der Spezialerntemaschinen eher für größere Flächenkomplexe geeignet. Zudem kann die bepflanzte Fläche während der ersten ca. 3 Monate nach der Pflanzung nicht genutzt werden, da ansonsten die jungen Triebe von den Hühnern abgepickt werden.

Für die meisten Höfe bietet sich eher der Anbau im mittleren bis langen Umtrieb von 8 bis 12 Jahren an. Dafür werden Pappeln mit einer Stückzahl von i.d.R. 1.500 bis 4.000 Bäume pro Hektar gepflanzt. Durch das längere Wachstum der Bäume werden deutlich höhere Stammdicken erzielt, welche die Qualität des Holzes erhöhen und die Vermarktungsmöglichkeiten erweitern. Die Beerntung erfolgt entweder motor-manuell oder mit Forsttechnik. Aufgepoltert können die Stämme an der Luft fast verlustfrei trocken und zu einem späteren Zeitpunkt weiterverarbeitet werden.

Der Reihenabstand der Bäume richtet sich nach der üblicherweise eingesetzten Pflegetechnik am Hof und sollte nach Möglichkeit zwischen 2,2 und 4 m betragen. Der Pflanzabstand liegt je nach gewünschter Pflanzdichte dann bei 1 bis 2 m.

Gesetzte Pappelruten im Hühnerauslauf mit Pflanzlayout von 3,6 m x 1,2 m

Pflanzung mit Pappelruten

Für eine Anpflanzung im bestehenden Freilauf sollten Pappelruten mit einer Länge von mindestens 150 cm genutzt werden. Auf diese Weise sind die frischen Pappel-Triebe außerhalb der Reichweite des Geflügels. Kleine Anpflanzungen können mit einem Erdbohrer erfolgen. Für größere Flächen sollte eine Spezial-Pflanzmaschine genutzt werden, welche mit einem Tiefenmeißel als Pflanzschar den Boden tiefgründig lockert und gleichzeitig die Ruten auf 50 – 70 cm versenkt.
Auf diese Weise können die schnellwachsenden Bäume kosteneffizient auch ohne vorheriges Pflügen und flächigen Umbruch gepflanzt werden. Die für die Hühnerhaltung notwendige Vegetationsdecke bleibt erhalten und das Pflanzbeet wird durch den Tiefenmeißel gelockert, um optimale Bedingungen für das Wurzelwachstum der Bäume zu schaffen. Der Einsatz eine Streifenfräse vorab in der Pflanzreihe verbessert das Pflanzbild und reduziert die Begleitvegetation direkt um die Bäume.

Pflege der Bäume

Bei der Anpflanzung von Holzplantagen auf Agrarflächen werden normalerweise  intensive Pflegearbeiten durchgeführt, um gute Wuchsbedingungen für die Bäume zu schaffen.

In den Auslaufflächen dagegen ist eine dauerhafte Vegetationsdecke meist gewünscht und der Einsatz von Herbiziden ausgeschlossen, sodass eine flächige Beseitigung der Begleitvegetation nicht erfolgt. Um dennoch gute Wachstumsbedingungen zu schaffen, sollte der Nahbereich der Bäume gepflegt werden. In stallnahen Bereiche wird diese Arbeit selbstverständlich durch scharrfreudige Hühner erledigt. Ackergras zwischen den Baumreihen sollte durch eine regelmäßige Mahd kurz gehalten werden. Je nach Wachstum und Witterung kann auch eine Bewässerung und/oder die Entfernung des Beikrauts rund um die einzelnen Bäume notwendig sein.

Zur einfachen Kontrolle des Auslaufes kann es in älteren Baumbeständen sinnvoll sein, die unteren Äste zu entfernen. Im stallnahen Bereich wird dies bereits  durch die Hühner beim Abpicken junger Triebe erledigt. Sofern der Wuchs von geraden und einzelnen Stämmen gewünscht ist, sollte im ersten oder zweiten Jahr überzählige Triebe beschnitten werden.

Pappelreihen im Legehennenauslauf (3 Monate nach der Pflanzung)

Rechtliches, Förderung und Prämien

Die Kultivierung schnellwachsender Baumarten auf landwirtschaftlichen Flächen wird als Dauerkultur eingestuft und über die Betriebsprämie unter der Bezeichnung „Niederwald mit Kurzumtrieb“ (Nutzungcode 841) als Direktzahlung gemäß der GAP Richtlinien 2014-2020 finanziell gefördert. Zudem können die Flächen als ökologische Vorrangfläche im „Greening“ ausgewiesen werden.

Voraussetzung hierfür ist die Anpflanzung zugelassener Baumarten (alle Pappel- & Weidenarten sind zugelassen), ein Mindestschlaggröße von 0,3 ha sowie die Durchführung von mindestens einer Ernte innerhalb von 20 Jahren. Nach Ende der Nutzungsdauer, welche bis zu 30 Jahren beträgt, kann die Fläche umgebrochen und wieder zu Ackerland zurückgeführt werden. Der Ackerstatus bleibt also erhalten.

Bäume im Geflügelauslauf werden allgemein als positiv angesehen. So ist in Kombination mit „Niederwald mit Kurzumtrieb“ auch eine Doppelnutzung des Freilaufs mit gleichzeitiger Holzproduktion möglich. Bei der Ausgestaltung empfiehlt es sich die zuständigen Ämter frühzeitig in den Planungsprozess einzubeziehen. Zudem müssen in Bayern und Baden-Württemberg vor Anpflanzung Genehmigungen eingeholt werden.

Mehr Informationen zu Förderung und rechtlichem Status finden Sie auch auf unser Lignovis Webseite:

Weitere Information zur Auslaufgestaltung in der Bio-Legehennenhaltung bietet die folgende Broschüre des Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachsen: